Classroom Management

Feste Anlaufstellen im Klassenzimmer einrichten

blog klassenzimmer treffpunkt 1 scaled

circle info

Worum geht es?

Eine unserer größten Aufgaben ist es, den Unterricht so zu gestalten, dass jedes Kind die Unterrichtszeit für sich möglichst effektiv nutzen kann. Das bedeutet, Störungen/Unterbrechungen zu reduzieren und den Unterricht so zu planen, bzw. die Lernumgebung so vorzubereiten, dass jedes Kind optimal lernen kann.

In diesem Beitrag stelle ich dir mit dem Einrichten von festen Anlaufstellen im Klassenzimmer eine ganz einfache Möglichkeit vor, die diesem Ziel zuträglich ist.

Anlaufstellen einrichten

Als Anlaufstellen bezeichne ich die in meinem Klassenzimmer festgelegten Plätze zum Beispiel für …

  1. Hilfe
  2. Selbstkontrolle und Weiterarbeit
  3. Austausch – Haltestelle –> Besprechungsplätze, -tische

Wenn du in deinem Klassenzimmer feste Plätze wählst, wissen die Kinder sofort, wohin sie sich wenden können, wenn sie Hilfe benötigen, sich austauschen möchten/sollen oder mit einer Aufgabe fertig sind. Es entsteht kein Leerlauf und Störungen wird vorgebeugt.

Zur Einrichtung der Plätze (z.B. auf einem kleinen Tisch, einem Regal, am Fensterbrett), bringe ich an den dafür vorgesehenen Orten entsprechende Poster an.

Diese Poster (und viele mehr) erhältst du einzeln oder als Sparpaket im Materialbereich:

Sparpaket: Schilder für das Klassenzimmer

Im folgenden möchte ich dir drei zentrale Anlaufstellen in meinem Klassenzimmer genauer vorstellen.

Hilfestation

Die Hilfestation richte ich in Pultnähe ein. Dort finden die Kinder -wenn möglich- Hilfekarten/Tippkarten/Spickzettel, die sie nutzen können. Ist dies nicht möglich, helfe ich an dieser Stelle den Kindern weiter, die zu mir an das Pult kommen, indem ich einzelnen Kindern eine Aufgabe erkläre oder auch die Aufgabe dort in einer Kleingruppe mit den Kindern gemeinsam löse. Die Kinder müssen sich nicht am Platz melden, sondern kommen direkt an diese Stelle. Da ich meinen Unterricht geöffnet habe, kann ich auf einzelne Kinder eingehen, ohne den „Unterrichtsfluss“ zu unterbrechen. Der Rest der Klasse arbeitet einfach weiter und ich kann mir die Zeit für einzelne Kinder nehmen. Dies setzt voraus, dass das Arbeiten in einem offenen Unterrichtssetting mit den Kindern Schritt für Schritt eingeübt wurde. Übrigens: Sollten vermehrt die gleichen Fragen/Unklarheiten auftreten, unterbreche ich den Unterricht auch einmal  und hole alle Kinder zu mir, z.B. in den Kreis, um das entsprechende Thema/die entsprechende Aufgabe noch einmal gemeinsam zu besprechen.

Selbstkontrolle und Weiterarbeit

Diese Station befindet sich in meinem Klassenzimmer an einer Seitentafel. Hier finden die Kinder sämtliche Musterlösungen zur Selbstkontrolle (vorausgesetzt, die Lösungen befinden sich nicht direkt beim Material wie zum Beispiel bei Karteien mit rückseitiger/beigefügter Lösung). Da die Kinder im Rahmen des offenen Unterrichts an unterschiedlichen Aufgaben arbeiten, ist dies mitunter eine recht große Sammlung und benötigt ausreichend Platz. Die Kinder vergleichen ihre Ergebnisse und haken grün ab. Der grüne Haken ist das Zeichen für Selbstkontrolle. Auch die Selbstkontrolle führe ich zu Beginn kleinschnittig ein. Damit die Kinder zuverlässig kontrollieren, sind anfangs einige Lerngespräche nötig und die Kinder müssen den Sinn dahinter für sich erfassen können. Mit der Selbstkontrolle haben sie eine unmittelbare Rückmeldung und sehen, ob sie auf dem richtigen Weg sind. Sie können direkt nachfragen, wenn sie feststellen, dass sie etwas noch nicht richtig bearbeitet oder verstanden haben. Die Selbstkontrolle bringt somit das eigene Lernen voran. Im Unterschied zur Fremdkontrolle (klassischerweise von der Lehrperson korrigierte Aufgaben, die von den Kindern dann mehr oder weniger überarbeitet werden), findet hier immer ein unmittelbarer Lernzuwachs statt. Bei einzelnen Schülern behalte ich es mir (zumindest zeitweise) vor, die selbst kontrollierten Arbeiten zusätzlich abgeben zu lassen. Alle offenen/kreativen Aufgaben, die die Kinder nicht eindeutig mit Hilfe einer Musterlösung abgleichen können, geben sie ebenfalls ab. Die Rückmeldung durch meine Korrektur stellt dann nicht nur eine Fehlerkontrolle dar, sondern auch eine Wertschätzung der Arbeit der Kinder.

Falls es bei einer geschlossenen Aufgabe weiterführende/anspruchsvollere Aufgaben für schnelle Kinder gibt, lege ich diese dort bereit. Alternativ notiere ich an der Tafel, wie die Kinder weiterarbeiten sollen, wenn sie fertig sind, falls dies noch nicht durch den allgemeinen Tagesplan festgelegt ist, z.B.

  • Tausche dich mit einem Kind an der Haltestelle aus!
  • Gehe zur Haltestelle und erkläre einem anderen Kind deinen Lösungsweg!
  • Gehe zur Haltestelle und vergleiche deine Ergebnisse mit einem anderen Kind!
  • Kontrolliere mit der Musterlösung!
  • Arbeite an deinem Lernplan Mathe/Deutsch!
  • Arbeite in der Lernwerkstatt Wasser (Tascard) weiter!

Austausch (Haltestelle)

Die Austauschstelle kennzeichne ich mit einem Haltestellen-Schild an der Wand. An diesem Schild befestige ich mit Klettpunkten eine Nummernkarte, wenn ich die Gruppengröße vorgeben möchte, z.B. eine 2, wenn die Kinder sich nur zu zweit zusammenfinden sollen, eine 4, wenn sich maximal 4 Kinder zusammen austauschen sollen.  Die Austauschstation befindet sich in meinem Gruppenraum (auch der Flur wäre möglich), um die noch im Klassenzimmer arbeitenden Kinder nicht zu stören.

Kinder, die sich zu einer Aufgabe austauschen oder gemeinsam arbeiten möchten/sollen (z.B. weil dies als Arbeitsschritt auf einem Arbeitsblatt vorgesehen ist), begeben sich zur Austauschstation, und finden sich dort zu Paaren/Gruppen zusammen. Jedes Kind arbeitet dabei mit dem Kind, das sich auch schon an der Haltestelle befindet und wartet beispielsweise nicht auf den besten Freund.

–> Besprechungsplätze/-tische

Da ich im Rahmen der Öffnung meines Unterrichts die Kinder mittlerweile fast immer selbst entscheiden lasse, ob sie alleine, mit einem Partner oder in der Gruppe arbeiten, verliert die Austauschstation immer mehr an Bedeutung. Sie kommt hauptsächlich noch in geführten Unterrichtsphasen, die einen Austausch zu einem bestimmten Zeitpunkt vorsehen, zum Einsatz. Stattdessen habe ich einige Besprechungstische und -plätze in meinem Gruppenraum eingerichtet, an denen die Kinder im Austausch mit dem Partner oder in der Gruppe arbeiten können, ohne andere Kinder, die in einem Ruhebereich leise für sich arbeiten, zu stören.

Hast du in deinem Klassenzimmer auch feste Anlaufstellen eingerichtet?

Hinterlasse gerne einen Kommentar und teile deine Erfahrungen mit uns.

Liebe Grüße

Becky